Ich denke, die Bedeutung des Konzepts "ein braves Mädchen sein" ist den meisten geläufig, jedoch wird selten erkannt, welch tiefgreifenden Einfluss diese Prägung auf das Leben hat. Diese Programmierung, die bereits in der frühesten Kindheit verankert wurde, wirkt praktisch bei jeder Lebensentscheidung im Hintergrund. Das Muster "liebes Mädchen" wurde auch durch super effektive Tricks in unser Unterbewusstsein gehämmert, wie zum Beispiel...
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Musst du immer das „liebe, brave“ Mädchen sein? Das steckt hinter dem Muster

Über das Muster: Ein liebes Mädchen zu sein

Ich denke, die Bedeutung des Konzepts „ein braves Mädchen sein“ ist den meisten geläufig, jedoch wird selten erkannt, welch tiefgreifenden Einfluss diese Prägung auf das Leben hat.
Diese Programmierung, die bereits in der frühesten Kindheit verankert wurde, wirkt praktisch bei jeder Lebensentscheidung im Hintergrund.

Das Muster „liebes Mädchen“ wurde auch durch super effektive Tricks in unser Unterbewusstsein gehämmert, wie zum Beispiel…

  • durch überschwängliches Lob bei „richtigem Verhalten“
  • durch Belohnungen aller Art
  • durch Geschenke
  • durch Stolz der Eltern
  • durch Versprechen
  • durch Zuneigung / Zugehörigkeitsgefühle
  • durch Süßigkeiten

Und wenn die vorausgesetzten Verhaltensmuster nicht eingehalten wurde, dann gab es…

  • Kritik
  • Beschimpfung
  • Bestrafung
  • Liebesentzug
  • Abneigung der Eltern, Verstoßung
  • Schuld und Schamzuweisung

Wieso nehmen wir also die Haltung „liebes Mädchen“ an? Was haben wir unterbewusst davon und woher kommt die Dynamik?

Es gibt einen wichtigen Grund, den ein Mädchen zu diesem immer „braven Mädchen“ erzieht – Der Mensch ist eine soziale Spezies. Allein beim Anblick eines Neugeborenen wird uns glasklar, wie sehr unser Überleben und unser Wohlbefinden davon abhängt, dass wir in eine soziale Struktur mit Fürsorge eingebettet sind.

Ist das nicht der Fall, stehen wir allein da – was im Anbetracht eines Neugeborenen den sicheren Tod bedeutet.
Auch als Kleinkinder und Heranwachsende/r sind wir nicht von der Notwendigkeit befreit, unsere Bedürfnisse (materiell/emotional/psychisch/gesundheitlich …) über andere Menschen befriedigen zu lassen.
Wir sind ganz und gar Abhängig davon, dass wir nicht in Ungnade fallen und als Kind aus unserem sozialen Umfeld sozusagen „verstoßen“ werden. Dieser Ur-Instinkt in uns geht so weit, dass wir lieber Anteile von uns, die in unserer sozialen Umgebung (am meisten bei den eigenen Eltern) nicht gedulded werden und somit uns persönlich als „böse, nicht den Werten der Gruppe entsprechend“ zugeschrieben werden, abschieben und unterdrücken. (Es sei denn, wir sind die Rebellen, die schwarzen Schafe der Familie, die immer die „Schuld“ an allem tragen, das ist auch ein Weg, mit dem Trauma umzugehen.)

Das brave Mädchen in uns hat sich aber für den Weg entschieden, lieber dem „Stressfaktor“ (also der Mutter oder dem Vater, dem etwas an/von uns nicht gefällt) zu unterdrücken und uns lieber voll und ganz auf das Wohlwollen der Eltern auszurichten (um dem sicheren Tod des Alleinseins aus dem Weg zu gehen).

Welchen Schaden richtet diese Dynamik im Erwachsenenalter an?

Durch die Konditionierung, nur liebewürdig und vor allem der Familie zugehörig zu sein, wenn wir nicht aus dem Raster der „guten, braven Mädchen“ fallen, entledigen wir uns innerer Anteile. Wir unterdrücken unsere Wut und alles, was wir nicht als „braves, lobenswertes Mädchen“ fühlen, zeigen und machen dürfen.

Dies führt zur Bildung eines inneren Anteils in uns, der sämtliche Handlungen und Gedanken daraufhin prüft, ob sie den Erwartungen und Wünschen der Mutter oder der Eltern entsprechen. Die Ausprägung dieses inneren Anteils bestimmt maßgeblich, inwieweit das Kind bestimmte Handlungen unterlassen wird, die es ohne diesen Anteil möglicherweise ausführen würde. Dieser Anteil kann sowohl positive als auch negative Handlungen unterbinden, da er nicht das Wohl des Kindes im Blick hat, sondern ausschließlich darauf abzielt, die Beziehung zur Mutter/zu den erziehenden Personen aufrechtzuerhalten, um weiterhin als gehorsames Kind wahrgenommen zu werden.

Dieser Umstand kann natürlich dazu führen, dass bereits in der Kindheit Potenziale des Kindes ungenutzt bleiben. Zwar mag dieses Verhaltensmuster „braves Mädchen“ für das Familienleben vorteilhaft erscheinen, da es den Eltern die Erziehung erleichtert, wenn sich die Kinder ihrem Willen fügen. Allerdings entsteht eine Problematik, wenn die elterlichen Wünsche nicht im Interesse des Kindes liegen, sondern vielmehr dem eigenen Ego entspringen oder – wie heutzutage fast immer der Fall – die Eltern nicht mehr einschätzen können, was für das Kind förderlich ist. Die rasanten gesellschaftlichen Veränderungen haben viele traditionelle Erziehungsmethoden obsolet gemacht, da sie nicht mehr zeitgemäß sind. Folglich besteht die Gefahr, dass elterliche Durchsetzungskraft nicht im Sinne des Kindeswohls ist. Viele Kinder spüren, dass sie sich nicht mehr in das Konzept des „braven Kindes“ oder „braven Mädchens“ einfügen dürfen, da dies oft zu ihrem Nachteil gereichen würde.

Durch die Zwangslage, in der ein Kind die Rolle des „lieben Kindes“ übernehmen muss, riskiert es, den Bezug zur eigenen Wahrheit zu verlieren. Es erlernt, Dinge so zu sehen, wie es den Eltern passt, verleugnet seine eigene Wahrheit und sagt Ja, wo ein Nein angemessener wäre.

So gerät es in ein Muster des Lügens, aus dem es sich im Idealfall während der Pubertät befreit. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit eines „Ablösens“ von den Eltern, das jeder Mensch durchlaufen muss, um sich zu einem unabhängigen erwachsenen Individuum zu entwickeln.

Bei stark ausgeprägten selbstverneinenden Verhaltensmustern bedarf es einer gezielten inneren Ablösungsarbeit, bestenfalls mit Therapeuten, da es in unserer westlichen Gesellschaft keinen Sinn mehr ergibt, als Erwachsener nach dem Willen der Eltern zu handeln und die Gnade der Eltern als höchstes Gut anzusehen. Ein solches Verhalten würde uns zu stark einschränken und verhindern, dass wir unser volles Potenzial entfalten und unsere Bestimmung im Leben finden und verwirklichen können. Denn wir sind nicht als Kopien unserer Eltern auf die Welt gekommen – wir sind alle stark mit dem Wissen unserer eigenen Werte und Prioritäten auf die Welt gekommen! Es ist immens wichtig, dass wir diese entfalten und als Geschenk der Welt weitergeben!

Wie löse ich diese Dynamik auf?

Das wichtigste ist, sich selbst zu reflektieren und Muster zu durchbrechen, die dem eigenen Selbst nicht mehr dienlich sind! Frage dich hier und da nach einer emotionalen Reaktion oder nach dem Wahrnehmen eines negativen Gefühls, ob du wieder aus dem Muster „braves Mädchen“ handelst und entscheidest, weil dein Nervensystem dir vorgaukelt, dass dir ein „Nein“ zur Lebensgefahr durch soziale Ablehnung wird!


Ps.:

Es gibt ein Buch, das ich zum Thema Selbstfindung persönlich sehr empfehlen kann, weil es auch mir extrem geholfen hat, meine eigenen Schatten zu verstehen und alte Traumata in mir aufzulösen, um aktiv in die Richtung meiner Freude und Selbstliebe zu gehen:

Teal Swan: Den Schatten umarmen – Verletzungen der Seele heilen

Klappentext: Teal Swan überlebte jahrelangen Missbrauch durch ein Sektenmitglied, bevor sie im Alter von 19 Jahren ihrem Peiniger entkommen konnte und ihren persönlichen Heilungs- und Transformationsprozess in die Wege leitete. In diesem Buch nimmt sie die Leser mit auf diese Reise der Heilung und Befreiung – eine Möglichkeit für alle traumatisierten Menschen, sich selbst wieder zur Ganzheit zu führen und die Blockaden der Vergangenheit ebenso wie die Angst vor der Zukunft zu überwinden. Aufbauend auf ihren großen außersinnlichen Fähigkeiten sowie Aspekten der Arbeit mit dem inneren Kind und der Schattenarbeit, hat Teal Swan einen revolutionären 18-Schritte-Prozess zur Heilung jeglicher Verletzungen aus der Vergangenheit, aber auch aktueller Probleme entwickelt. Nach dem Durchlaufen dieses ‚Completion‘-Prozesses genießen wir ein höheres Selbstwertgefühl und die Sicherheit, dass das Leben wieder gut werden kann.

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